„Refugio Cherubicha“

Jorge und Clauda mit der jüngsten Tochter vorm Haus

Zufällig steuerte mich meine Reise in Argentinien auf`s Land, um ein neues Wohltätigkeitsprojekt kennenlernen zu können. Nun möchte ich es näher vorstellen. Es handelt sich hierbei um das „Refugio Cherubicha“ –  von Jorge Cecotti und Claudia Bustelli ins Leben gerufen – die sich um verletzte, misshandelte oder ausgesetzte Tiere kümmern.
Angefangen mit Nachbarn, die Hilfe mit Ihren Tieren bei der Familie suchten, begann die kleine Unternehmung der beiden nach und nach zu wachsen. Aufopferungsvoll und ohne jeglichen Strebens nach Profit, kümmert sich die Familie, um eine große Vielzahl ausgesetzter, schlecht behandelter oder verletzer Tiere. Jorge und Claudia leben zusammen mit ihren vier Töchtern ein bescheidenes Leben auf dem Land im Dörfchen Villa Rumipal in der Provinz von Cordoba, Argentinien. Ein Entschluss und eine Entscheidung die sie vor rund 15 Jahren trafen, um sich um Pferde, Hunde und andere verletzte, misshandelte oder ausgesetzte Tiere zu kümmern. Dabei existiert kein Luxus im Leben der sechsköpfigen Familie. Das einfache Häuschen mit Holzheizung wird nebenan von einem Bus geziert, in dem sie zu Beginn wohnten, als sie auf dem Land ankamen. Ein bescheidenes Leben, für das sie sich einst entschieden haben und welches sie glücklich macht, wie sie mir mitteilten – und diese Glücklichkeit spürt man vor Ort!

Nachfolgend soll ein kurzes Interview mit der Familie ihre private Organisation und deren Leben genauer vorstellen.

Das Gespräch mit der Familie am Abend nach dem Essen

Sven: „Wie hat alles angefangen? Wie seid ihr auf die Idee gekommen, dieses Projekt hier zu starten?“
Claudia: „Als wir hier in der Region von Cordoba ankamen, wollten wir zuerst eine Reitsportschule für das Springreiten eröffnen. Das Problem war, dass die Leute von hier nicht wirklich etwas damit anfangen konnten und es kein Interesse gab. Die wenigen Schüler, die wir hatten, waren nicht genug. Ich tauschte zum Beispiel eine Reitstunde für ein Paket Windeln für die Zwillinge, als sie noch kleiner waren. Das war der Preis für eine Reitstunde. Und du bekommst mit, dass es absurd ist. Du benutzt ein teures Rassepferd und teure Reitausrüstung und das einzige, was für die Weitergabe deiner Erfahrung gegeben wird, sind Windeln. So funktioniert das nicht. Aber nach und nach bekamen wir mit, dass hier auf dem Land die Tiere schlecht behandelt werden…“

Cherubicha_Claudia

Claudia beim Füttern der Pferde

Sven: „Wie bestreitet ihr euren Lebensunterhalt? Von was lebt ihr?“
Jorge: „Claudia ist Reitlehrerin und gibt bei Bedarf Reitstunden. Ich selbst bin im Ruhestand und beziehe eine kleine Rente. Mit dem Geld leben wir und versuchen damit auch die Tiere zu unterhalten, sofern wir können. Natürlich fehlt es an vielen Ecken, wie z.B. das Haus etwas weiter auszubauen. Aber es war unsere Entscheidung so zu leben.“

Sven: „Also nutzt ihr eure Einkünfte, um das Notwendige für die Tiere zu kaufen?“
Jorge: „Ja, natürlich. Es ist schön, wenn jemand etwas vorbeibringen kann oder uns zur Hand geht. Wenn es jedoch an Futter fehlt, müssen wir einkaufen gehen. Wir können ja den Hunden nicht sagen, dass es heute nichts zu essen gibt, weil niemand etwas vorbeigebracht hat – und am Monatsende bleibt meistens kein Geld übrig.“

Sven: „Hat es euch niemals an Futter für die Tiere gefehlt oder euch selbst an zu Essen?“
Claudia: „Als wir gerade  mit diesem Projekt anfingen – wir hatten bisher noch keine Organisation gegründet und mussten alles selbst bestreiten – verkaufte ich das Haus, welches mir meine Eltern überließen. Nach und nach haben die Pferde förmlich „das Haus aufgegessen“. Damit war das Geld vom Verkauf weg. Da sind wir uns erstmal bewusst geworden, wohin das Ganze führt. In dieser Zeit waren die Zwillinge noch klein und meine Mutter schickte uns monatlich Geld und einige Dinge von Buenos Aires aus. Wir haben zu jener Zeit fast nur „Tortas fritas“ (dünn ausgerollter, frittierter Teig) gegessen.
Aber den Pferden hat es nie an zu Essen gefehlt. Zuerst wurde an die Tiere gedacht und danach haben wir gegessen. Es waren viele Entscheidungen, die wir nach und nach treffen mussten.“

Sven: „Bekommt ihr monatlich Unterstützung, sprich, könnt ihr mit festen Einkünften durch Spendengelder rechnen?“
Jorge: „Nein, aber wir versuchen mittels Facebook Patenschaften für die Tiere zu finden. Leider sind die monatlichen Einkünfte durch jene Patenschaften noch ziemlich gering. Davon können wir gerade einen „Alfalfa- Strohballen“ kaufen, der gerade für 2 – 3 Tage reicht. Dabei achten wir schon darauf, sparsam mit dem Ballen umzugehen und bringen viele Pferde nach draußen, wo sie weiden können.“

Sven: „Habt ihr Unterstützung von Tierärtzten für die Tiere?“
Jorge: „Ja, wir bekommen Hilfe von einem Tierarzt, der es zum Glück als Herzensangelegenheit sieht, den Tieren zu helfen. Doch es müssen trotzdem die Medikamente bezahlt werden. Jedoch das Teuerste ist letztlich das Futter.“

Sven: „Ihr habt mir erzählt, dass ihr auch Pferdetherapien für Menschen oder Kinder mit Einschränkungen anbietet. Hilft euch das bei der Unterhaltung des ganzen Projekts weiter?“
Jorge: „Ja, wir bieten es an und haben es auch schon realisiert. Solche Therapien werden normalerweise auch gut bezahlt, doch hier fehlt es den Menschen an Verständnis, dass so etwas auch wirklich helfen kann. Wir haben es zum Beispiel mit einem Jungen versucht, der wegen eines Unfalls nicht mehr laufen konnte und haben ihn abgeholt, um die Therapie mit ihm zu machen, jedoch ist unser Pickup kaputt gegangen und wir konnten die Therapie nicht fortsetzen, weil keiner den Jungen zu uns brachte. Es gab keine Hilfe und der Junge könnte höchstwahrscheinlich wieder gehen, wenn ein wenig mehr Unterstützung in Form von Krücken, Therapien und Betreuung da gewesen wäre. Die Eltern von ihm sind Tod, staatliche Unterstüzung fehlt an dieser Stelle und keiner kümmert sich um ihn. Heutzutage kann er nur noch auf dem Boden robben. Das ist wirklich traurig.“

Natürlich habe ich auch die Mädchen von Jorge und Claudia einige Fragen gestellt.
Als erstes wollte ich wissen, ob sie gerne auf dem Land mit all den Tieren wohnen. Ein eindeutiges „Ja“ erfüllte den Raum. Ich fragte außerdem, was sie später gerne machen wollen. Eine von ihnen träumt von einem Friseursalon für Tiere, während eine ihrer Schwestern Tierärztin werden und die andere sich professionell dem Reitsport widmen möchte. Alle vier Kinder können sich zudem nicht vorstellen, eines Tages in einer Stadt zu wohnen. Sie wollen auf dem Land bleiben.

Es fing also alles damit an, dass die Familie nach und nach Tieren aus der Not half. Pferde, die an den Schlachthof weiterverkauft werden sollten, fanden ihre Rettung bei ihnen. Hunde mit Parasiten oder Verletzungen, die von den Besitzern am liebsten einen „Gnadenschuss“ versetzt bekommen sollten, bekamen ihr neues zu Hause im „Refugio Cherubicha“.

Ein Video des „Refugio Cherubicha“ und dessen Hilfe

Um eine genaue Idee davon zu bekommen, wie die Tiere teilweise bei der Familie ankommen, und der Hilfe die sie erfahren, sieh dir folgendes Video an. Teils lies es mich fast nicht glauben, dass einige von Ihnen überleben konnten…

(Das Video wurde von Claudia und Jorge zur Verfügung gestellt)

Heute befinden sich rund 80 Pferde und 80 Hunde auf dem Land, die mit aller Liebe von Jorge und Claudia versorgt werden. Gerettet vorm Schlachthof, aus schlechter Behandlung oder schwer verletzte Tiere können nun nach ihrer Genesung ihr Leben in Freiheit im Refugio Cherubicha genießen können.
Eine Familie mit großem Herz, die sich bedingungslos und hingabevoll für das Gute einsetzt.


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