„Comedor Sara Servián“

Comedor Sara ServianDamit möchte ich ein erstes Hilfsprojekt vorstellen, welches ich auf meiner Reise kennenlernen durfte. Hierbei handelt es sich um einen „Comeder“ (Küche/ Mensa) der knapp achzigjährigen „Señora“ Sara Servián, die vor Kurzem den Staffelstab ihrer allgemeinnützigen Arbeit aus gesundheitlichen Gründen an ihre Tochter Graciela Servián weitergab, die nun die kleine, nichtstaatliche Organisation leitet. Dabei handelt es sich um eine Küche, die jeden Tag ein deftiges Mittagessen kocht und dabei rund 100 hungrige Mäuler zufriedenstellt. Es sind größtenteils Kinder, die aus armen Verhältnissen stammen. Kinder, deren Eltern durch die Straßen von Asunción mit einem kleinen Karren fahren, um dort Müll zu sammeln, der dann recycelt und weiterverkauft wird. Ein Job ohne jegliche Sozialversicherungen, bei dem umgerechnet rund 9 Euro zusammen kommen, die dann für die Familie zum Leben oder besser gesagt zum Überleben eingesetzt werden. Da die Kinder dieser Familien meistens tagsüber allein oder in der Schule sind, können sich die Eltern wenigstens auf eins Verlassen; Ihre Kinder bekommen ein Frühstück, bevor sie zur Schule gehen und zur Mittagszeit gibt es täglich ein warmes Mittagessen im ¨Comedor Sara Servián¨.

Und das Ganze gratis!

Da ich in Paraguay von dieser Küche hörte, habe ich mich aufgemacht, um mir das genauer anzusehen und euch nun vorzustellen.

Das Gespräch mit der engagierten „Señora“ Graciela Servián

Ich bin gerade in der Küche angekommen und wartete auf Graciela, die Tochter der Gründerin Sara, die im Jahr 2003 mit einem sogenannten „öffentlichen Kochtopf“ das Projekt ins Rollen brachte, welches auch noch heute Mittag rund 100 Kindern und Erwachsenen die Möglichkeit bietet, unentgeldlich essen zu können.
Es begann alles mit einem „mittelgroßen“ Kochtopf, mit dem zunächst gekocht wurde und jeder, der Hunger hatte, sich mit seinem mitgebrachten Teller eine Mahlzeit abholen konnte. Nach und nach wuchs die Wohltat. Soweit, bis irgendwann der kleinen, nichtstaatliche Organisation ein Gebäude geschenkt wurde, in dem dann die Küche Platz fand. Stühle, Tische, Besteck, Herd, Kühlschrank – alles Dinge, die von Leuten als Geschenke direkt vorbeigebracht wurden.

Sven: „Graciela, kannst du mir erklären, wie sich das Projekt finanziert?“
Graciela: „Alle Lebensmittel, die wir bekommen, werden uns zugetragen und geschenkt. Wir selbst kaufen keine Lebensmittel für das Essen zu, was wir den Kindern und Familien anbieten. Momentan gibt es niemanden, der monatlich Geld spendet. Uns werden Lebensmittel gebracht. Das Notwendigste, was wir momentan brauchen, sind Obst,Gemüse und Dinge, die kein langes Haltbarkeitsdatum haben. Das wird immer sofort verbraucht. Wir sind also auf Leute angewiesen, die uns Lebensmittel spenden, denn nur so können wir den Kindern etwas zu Essen kochen und anbieten. Wir sehen von Tag zu Tag, was uns fehlt. Es gibt keine Planung für eine Woche im Voraus. Tag für Tag. Wir können also nur deshalb weitermachen, weil Gott es so will.“

Sven: „Ich hab` gesehen, dass du hier viele fleißige Helfer in der Küche hast. Wie viele seid ihr und sind das alle ehrenamtliche Mitarbeiter?“
Graciela: „Insgesamt sind es 10 Helfer, die nicht einmal den Mindestlohn verdienen.“ – (umgerechnet 250 Euro) „Der Lohn wird von der kleinen Bäckerei erwirtschaftet, die wir betreiben. Wir backen Brot und Kekse, die wir dann zur Hälfte des Preises – im Vergleich zum Supermarkt – für die Menschen in ärmeren Vierteln anbieten. Wir arbeiten viel auf Vorbestellung und die Leute kaufen bei uns, weil wir es ihnen wirklich güstig anbieten. Das was am häufigsten verkauft wird, sind Kekse, weil sie am günstigsten pro Kilo produziert und somit auch verkauft werden können. Mit dem Gewinn der Bäckerei, werden dann die Mitarbeiter bezahlt, die wie gesagt nicht einmal den Mindestlohn verdienen.“

Sven: „Vorher wart ihr in einem anderen Viertel. Was ist passiert?“
Graciela: „In den letzten Monaten ist das Wasser sehr stark angestiegen am Fluss. Dort Leben Menschen, die sich einfach vor vielen Jahren am Flussbett niedergelassen haben, weil es staatliches Gebiet ist. Es ist zwar letztlich nicht ihr eigenes Land, aber sie werden dort geduldet. Auch wir hatten weiter unten am Fluss unsere Küche gehabt. Es war das Gebäude, was wir geschenkt bekommen haben. Doch der Fluss stieg in den letzten Monaten soweit an, dass das Wasser in den Häusern bis zum Dach stand und immer noch steht. Die Leute siedelten weiter nach oben und auch wir bekamen, Gott sei Dank, ein staatliches Gebäude geliehen. Dadurch erst konnte die Küche weiterexistieren.“

Das alte Gebäude der Hilfsküche - Noch immer steht das Wasser kniehoch nach der Überflutung in den Straßen

Das alte Gebäude der Hilfsküche – Noch immer steht das Wasser kniehoch nach der Überflutung in den Straßen

 

Sven: „Was kocht ihr den Kindern zu Essen?“
Graciela: „Wir kochen unser Essen in einem Topf. Es gibt Nudeln, Reis oder Kartoffeln mit Gemüse und Fleisch. Wir kochen wirklich gutes Essen und nichts ungenießbares! Wir als Mitarbeiter essen das gleiche Essen, weil es wirklich leckere Hausmannskost ist.“

Sven: „Was passiert mit dem Essen, welches überig bleibt?“
Graciela: „Es bleibt nichts übrig. Ich wüsste nicht, dass irgendwann einmal etwas übrig geblieben ist – und wir reden hier von 25 kg Fleisch, was wir täglich zum Kochen verwenden. Es bleibt nichts übrig. Schau, heute haben wir in diesem Topf gekocht und er ist komplett leer geworden. Es bleibt meistens nichts übrig.“

Eine Küche, die sich wirklich mit Herz für andere einsetzen und dabei keinerlei finazielle Unterstützung von Staat oder anderen Organisationen bekommen. Zudem geben sich die Köchin und ihre Gehilfen  bei der Zubereitung des Essens große Mühe und ich kann bestätigen, dass es gut schmeckt!
Graciela erzählte mir später noch, dass ab und zu andere Non-Profit-Organisationen Medikamente für die Kinder spendeten und auch Zahnärzte vorbeischickten, die sich um die Menschen gekümmert haben. Zudem bekommen sie Windeln geschenkt, die sie dann auf die Familien aufteilen, um denen einfach eine finazielle Erleichterung bieten zu können.


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