Reisen ohne Ersparnisse (5)

An dieser Stelle bin wirklich sehr dankbar für die Herzlichkeit und Offenheit aller Menschen, die ich auf meinem Weg kennenlernen durfte. Ohne dem wäre ich wahrscheinlich nach 14 Tagen wieder umgedreht.
Zufällig – ja, Zufall, weil zu einem etwas hinfällt; so wie ein Apfel vom Baum fallen muss, wenn er reif ist – trieb mich die Reise zu einer Familie von Musikern in Argentinien. Ich wurde dort sehr gut aufgenommen und gefragt, ob ich nicht auf das Haus und die Hunde aufpassen könnte, während sie in den Urlaub fahren. Natürlich habe ich zugesagt. Eine sehr gute Möglichkeit, denn im Haus gab es auch einen großen Ofen. So konnte ich noch einmal Kuchen backen, die ich in der Stadt verkaufte. Natürlich wieder wie gehabt mit Vollkornmehl und Rohrzucker – Qualität geht vor Quantität! Als die Familie wieder aus ihrem Urlaub zurückkam, gab es auch noch einige Abende, an denen Hausmusik gemacht wurde. Dadurch, dass meine Gitarre schon einige „Leiden“ hatte und sie sich nicht mehr richtig stimmen ließ, versuchte die nette Familie eine spielbare für mich aufzutreiben. Somit bekam meine alte Gitarre einen Ehrenplatz im Musikerhaus und ich zog mit einem gut spielbaren Instrument und noch ein paar neuen, argentinischen Liedern weiter nach Cordoba.

In Garagen entstehen die besten Dinge

Nacho und ichIn Cordoba angekommen, wurde ich von Nacho, meinem Kumpel, empfangen. Er wohnte in einem bescheidenen Viertel in einer Garage. Durch sein Theaterstudium und meinem Wunsch bald in den Stadtbussen Musik zu machen, ließen wir uns etwas einfallen. Eine kleine Show musste her. Also haben wir gekonnt Musik mit Humor vereint, kleideten uns wie ein Clownduo und waren startklar. Nervenkitzel war natürlich angesagt, denn wir wussten nicht, wie es beim Publikum ankommen würde. So standen wir nun an der Straße, blaue Hosen, bunte Socken und gut gelaunt, fragten wir den ersten Busfahrer um Erlaubnis und es ging los. Es ist ein wahnsinniges Gefühl Menschen ein Lächeln mit einer kleinen Darbietung ins Gesicht zaubern zu können. Letztlich war es ein voller Erfolg und es machte sehr viel Spaß den Busmittelgang, zumindest für zehn Minuten, zur Bühne werden zu lassen.
Nun galt es noch, nebenbei auch meinen kleinen Soloauftritt vorzubereiten, um meine Reise mit Gitarre weiter fortsetzen zu können. Also schrieb ich mir alles auf einen Zettel, suchte mir die richtigen Lieder heraus und zog am letzten Tag in Cordoba allein mit meiner Gitarre – diesmal ohne Kostüm – los. Am Ende des Tages traf ich mit Nacho und er fragte mich wie es lief. Mit einem breiten Grinsen antwortete ich: „Super!“ und erzählte ihm alle Einzelheiten meiner neuen Erfahrung. Er freute sich und fragte mich:
„Mann, was steht dir jetzt noch im Weg?!“

„Und die Moral von der Geschicht` … „

…Vertrauen d´rauf, dass alles gut geht, das ist Pflicht!“ Ich hoffe, ich konnte dir an Hand einiger Erlebnisse zeigen, dass nicht jede Reise perfekt geplant sein muss und nicht Unmengen an Geld dafür notwendig sind! Mit einer Sache die dir Spaß macht, kannst du deinen Alltag beim Reisen finanzieren. Die letzten Monate konnte ich von der Musik in Südamerika leben und reisen. Vielleicht konnte ich dir ein wenig die Angst nehmen und du spielst mit dem Gedanken es selbst einmal auszuprobieren?!

 

Teil 1 der Artikelserie „Reisen ohne Ersparnisse“

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