Reisen ohne Ersparnisse (4)

Musik und gute Laune öffnet Türen

Da es in „Chui“ so gut geklappt hat mit unserem internationalen Trio, setzten wir das ganze auch in Montevideo fort. Dabei nahm uns unser kolumbianischer Freund Juan ein bisschen an die Hand, denn er reiste schon seit mehr als zwei Jahren durch Südamerika und finanzierte das komplett als Straßenmusiker. In fast allen Ländern Lateinamerikas ist es normal, dass im öffentlichen Verkehr, sprich Busse, Züge und U- Bahn irgendetwas verkauft und natürlich auch Musik gemacht wird. Also nahmen wir, bewaffnet mit Charango, Panflöte, Rhythmusinstrument und vor Allem guter Laune, Anlauf auf die Busse. Einsteigen, sich vorstellen, drei Lieder spielen und dann hoffen, dass es gefällt. Danach wird noch der Hut herumgereicht und das Mittagessen war gesichert. Du fragst dich vielleicht jetzt: „Reicht das zum Leben?“ Natürlich weiß man nie, ob die Leute letztlich genug oder überhaupt irgendetwas in den Hut legen. Aber ich meine zu glauben, dass, wenn man vor Allem Spaß an der „Arbeit“ hat und das auch zeigt, läuft alles wie geschmiert. Es ist daran, in gewisser Weise dem Ganzen Vertrauen zu schenken, ganz nach dem Motto: „Es wird schon alles gut“. Nicht nur auf Reisen, sondern auch im Alltag. Meistens läuft`s am besten, wenn man sich weniger darüber den Kopf zerbricht. Vielleicht ist es mehr ein mentaler Akt, Ängste los zulassen und dem Leben mehr Vertrauen zu schenken, als ständig alles vorherzuplanen. Oft verplant man sich die besten Ereignisse – und Türen, die einem offen stehen, nimmt man dann nicht mehr war.

Für mich war die Zeit in Montevideo eine super Erfahrung und ich wurde von den beiden mit in eine neue Welt hinein genommen. Eine Welt, die die Möglichkeit schafft, als Künstler, Musiker oder vielleicht auch Hippie zu reisen.

Und wie geht`s weiter?

Die Idee mit Musik zu reisen, gefiel mir von Tag zu Tag besser und ich suchte schon in einigen Musikläden nach einer gebrauchten Gitarre, die mich bald auf meiner Reise begleiten sollte. Nach einigem Suchen, kam dann Juan auf mich zu und meinte, dass er sich wahrscheinlich von seiner Gitarre, wenn auch schweren Herzens, trennen will. Er reist eben einfach bequemer, wenn er nur sein Charango am Rucksack befestigt – logisch. Nach kurzem hin und her, war das Tauschgeschäft dingfest. Die Gitarre gegen ein Handy und ein paar Schuhe. Das war der beste Tausch seit Langem. Gut, im kapitalistischen System aufgewachsen, kann ich mich ehrlich gesagt an keinen Tausch mehr erinnern. Das hat man vielleicht ab und zu als Kind mit Spielzeugen gemacht. Aber es war ein tolles Gefühl und ich hatte nun die Grundlage für meine Weiterreise geschaffen. Eine Gitarre – natürlich war es nicht nur irgendeine, denn sie hatte eine eigene Geschichte. Sie war orange. Ein Strand mit Palmen, gemahlt auf der Rückseite mit Pinsel und Farbe von Juans Kumpel. Mittlerweile zeigte sie auch schon einige Leiden auf. Das war die Gitarre, mit der Juan seine Reise begann und lernte auf ihr sein erstes Lied. Es war kein besonders gepflegtes Instrument, jedoch eins mit Seele.

Nun fehlte mir nur noch eins, die richtigen Lieder. Doch dazu mehr im nächsten Teil der Kurzartikelserie.

 

Teil 1 der Artikelserie „Reisen ohne Ersparnisse“

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