Reisen ohne Ersparnisse (3)

Punta del DiaboloSo wie das Leben nun spielt, erlebt man viele geniale Dinge und lernt viele tolle Menschen kennen. So kam ich eines Tages in einem kleinen Fischerdörfchen an der uruguayischen Küste an und wurde zufällig von einer Freundin auf einen Platz verwiesen, wo ich kostenlos mein Zelt aufschlagen konnte. Jackpot! Es gab auch fließend Wasser. Nochmal Jackpot!
Letztlich stieß ich dort auf andere zeltende Reisende und Hippies, was sich zu guter Letzt als große Bereicherung herausstellte. Alle von Ihnen waren Südamerikaner und sie starteten ihre Reise mit wenig oder überhaupt keinem Geld. Doch wie geht das? Mir war klar, hier kann ich viel dazulernen. Natürlich waren sie zum Einen Lebenskünstler und haben nicht auf größtem Fuß gelebt, doch zum Anderen waren Sie auch Künstler. Begabungen wie zum Beispiel die Malerei, Kunsthandwerk, Schauspiel, Artistik und freilich auch die Musik wurden Ihnen in die Wiege gelegt. So lebten sie von Verkäufen Ihrer Kunsthandwerke oder Schmuck, der Bespaßung vom Publikum oder der musikalischen Unterhaltung. Sehr interessant! Und das soll zum Reisen ausreichen? Ich wurde neugierig und redete mit vielen, fragte, um meine Neugier zu stillen. Denn ich suchte immer noch nach einer Variante, Reisen zu können, ohne mich auf meine Ersparnisse verlassen zu müssen. So fuhr ich eines Tages mit einem Argentinier, namens Nacho und einem Columbianer, Juan, nach „Chui“, eine Binationale Stadt an der brasilianisch – uruguayischen Grenze. Dort wollte ich eigentlich einen Flicken zum Reparieren für mein Zelt kaufen. Jedoch kam es ganz anders…

Die beiden Jungs waren nämlich auf dem Weg dorthin, um Musik zu machen und selbstgemachten Schmuck zu verkaufen. Natürlich wurde ich erst vor Ort eingeweiht, dass ich in Ihrer „Show“ auch einen Platz haben sollte. Juan griff nach einer leeren Blechbüchse, die am Straßenrand lag. Er hob sie auf, füllte sie mit Reis und bespannte sie mit einem Stück buntem Stoff. Fertig war das Rythmusinstrument -mein Instrument. Ich war ein wenig perplex, denn ich kannte kaum die Melodie der Lieder, noch die Lieder selbst. Dann nahmen wir Anlauf auf das erste Restaurant. Zwei Lieder zum Einstimmen; eine unglaubliche Textunsicherheit und es ging los. Wir präsentierten uns als internationales Trio, der Columbianer am Charango und der Panflöte, der Argentinier mit voller, kräftiger Stimme und immer in Bewegung zum Rythmus, den der Deutsche mit der Blechbüchse vorgab. Mit lautstarkem Applaus des Publikums, stießen wir auf Wohlgefallen. Unglaublich! Unvorbereitet, spontan, jedoch mit Herz konnten wir nach der „Tournee“ zur Mittagszeit eine angenehme Summe aus dem Hut herauszählen. Ein rießen Erfolg und ein unvergesslicher Tag, der obendrein noch mit dem weltweit einzigen, binationalen Karneval endete.

Jener Tag war eine Inspiration, die mich nach Jahren endlich einmal wieder zu einem Instrument führte. Früher habe ich gerne Trompete oder Gitarre gespielt. Doch nachdem mein Studium begann, wurde alles weniger. Keine Zeit eben, „wa“?! Ich verfolgte eine neue Idee – die Lust als reisender Musiker von dannen zu ziehen.

Letztlich fuhr ich mit den Beiden nach Montevideo, wo wir bei einem Freund in der Schuhwerkstatt untergekommen sind. Es musste also eine Gitarre her. Perfekt, um auch die Stimmbänder mit vibrieren zu lassen. Doch dazu mehr im nächsten Teil.

 

Teil 1 der Artikelserie „Reisen ohne Ersparnisse“

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