Dem Leben vertrauen

Ich zog also weiter. Manchmal hat man einfach Lust, das Leben in ein spannendes Abenteuer zu verwandeln. Das Leben herauszuforden und dazu zu bringen, damit dass geschieht, was geschehen soll. Sich einfach vom Leben lenken zu lassen. Ich musste feststellen: je weniger ich mich um das, was in den nächsten Tagen passieren wird geschert habe, umso unglaublichere Dinge sind geschehen. Je mehr ich den Moment lebe und je weniger ich mich um irgendetwas besorge, umso mehr Vertrauen schenke ich dabei dem Leben. Dabei gibt mir das Leben einen gewaltigen Auftrieb und trägt mich wie einen Adler mit großen Schwingen durch die Lüfte. Das einzige was ich dabei tun muss, ist – tief durchatmen, meine Flügel spreizen und mich dabei in das Unendliche Tal des Nebels stürzen, darauf vertrauend, dass sich dahinter stets Gutes verbirgt. Es kostet gedanklich loszulassen. Die eigene Angst und Bequemlichkeit zu überwinden und sich tragen zu lassen. Es ist ein Vertauen und eine Glaube, dass letztlich alles gut ausgeht. Ein Präsentsein im Hier und Jetzt, welches die Vergangenheit hinter sich lässt und die Zukunft verschmäht, da sie noch nicht existiert.

„Hakuna matata!“

Eine kurze Geschichte dazu:

So trampte ich eines Tages in Brasilien und fuhr bei einem älteren Herren im Auto mit, der mich, nach guten Gesprächen während der Fahrt, zu sich nach Hause einlud, um seine Stadt kennenzulernen. Ich war überwältigt von der Gastfreundschaft und darüber, dass ich vorher nicht wusste, wo ich die Nacht verbringen werde oder ob ich überhaupt Glück beim Trampen habe. Dabei bin ich früh am Morgen aufgebrochen, mit dem Gedanken, mir bewusst keine Sorgen zu machen. Es war die richtige Entscheidung. Tolle Gespräche, eine ruhige Autofahrt, leckeres Essen und ein Bett mit eigenem Zimmer wurden mir vom Leben geschenkt. Kurz darauf kam ich in „Foz do Iguaçu“ an. Einer Stadt im Dreiländereck, an der Grenze zu Paraguay und Argentinien und war auf dem Weg zur Bushaltestelle, als ich in einer Querstraße eine Bar sah. Ich hatte Hunger und fragte, ob sie denn auch etwas zu Essen hätten. Leider gab es nur Getränke und da es sehr warm war und der Durst mindestens genauso groß war, wie der Hunger, gönnte ich mir ein kleines Bier. Ich lud meinen Rucksack ab und setzte mich. Ein paar Meter daneben, saßen ein paar junge und alte Männer an ihrem Stammtisch und tranken ebenfalls. Sie müssen mich wohl mit meinem Gepäck und meiner Gitarre gesehen haben und forderten mich auf, doch etwas zu spielen. Ich hatte nichts dagegen und sie riefen mir zu: „Setz` dich doch mit zu uns her!“. Ich zögerte nur kurz und gesellte mich mit meinem Bierchen zu ihnen an den heiter gesonnen Tisch. Es war Samstag Nachmittag und jedes Wochenende trifft sich die herzlich gutgelaunte Männerrunde, um einfach Abstand vom Alltag zu nehmen. Nach ein paar Liedern, Stunden und Biere, wollte ich mich auf den Weg machen, um mir dann doch endlich eine Schlafmöglichkeit zu suchen. Ich fragte die Jungs und sie überlegten, welche Unterkunft wohl die billgste und beste ist. Kurz darauf bat mir einer von Ihnen an, ich sollte doch einfach mein Zelt bei ihm in der Garage aufbauen. Ein sehr symphatischer Araber, von denen es in der Region einige gibt, teilte mit mir nicht nur seine Garage, sondern auch noch eine „Shisha“, ein Bier und ein sehr gutes Gespräch bis spät in die Nacht hinein.

Ohne mich darum zu kümmern, kam das Leben mit Geschenken auf mich zu. Ein paar Tage, die mir zeigten, dass letztlich alles gut wird, wenn man vertraut und alles zulässt. Überwältigt von der Nächstenliebe und verbrannt von der Sonne, die mir beim Trampen aufs Haupt knallte, zog ich weiter nach Puerto Iguazú, um mich ein paar Tage vom Sonnenbrand zu erholen. Denn trotz Gepäckliste, vergaß ich die Sonnencreme und einen Sonnenhut mitzunehmen. In den nächsten Tagen sollte mich mein Weg weiter nach Paraguay führen…

 

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